Samstag, 5. November 2011

TagesWoche: Gelungener Start und zweite Ausgabe

Soeben habe ich die zweite Ausgabe der TagesWoche am Kiosk gekauft. Fünf Franken habe ich dafür bezahlt und keinen Moment gezögert. Am letzten Wochenende und den folgenden Tagen habe ich die Erstausgabe komplett gelesen und war danach neugierig auf die nächste Erscheinung. Nun habe ich sie neben mir liegen und sie zollt mir Respekt ab.

Respekt verdient das gesamte Projekt. In einem derart umkämpften Markt, in welchem mehr vom Zeitungssterben als von Erfolgsmeldungen berichtet wird, den Neueintritt zu wagen, das braucht Mut. Doch damit nicht genug, haben sich die Verantwortlichen auch gleich für ein neues Konzept entschieden (Hybridzeitung: Aktuelle Online-News und gedruckte Wochenausgabe).

Am letzten Freitag, 27. Oktober 2011, war es so weit. Der Start der Internetplattform und der ersten Printausgabe konnten gefeiert werden. Zwar ist auf dem Logo im Internet noch die Aufschrift «beta» angebracht, aber die Plattform wirkt modern und professionell. Es war für mich interessant zu lesen, dass die Technik von einer einer Open-Source-Organisation mit Hauptsitz in Prag stammt (ebenfalls mutig).

Beim Besuch der Homepage fällt gleich die angenehme Gestaltung auf. Die Seiten wirken ruhig und aufgelockert, keine schrillen Farben, keine flackernde Banner. Die Erstausgabe der Printzeitung wirkte auf der Tielseite noch etwas leer, das Format noch ungewohnt und die Schlagzeilen eher zahm.

Bald einmal konnte ich feststellen, dass ich mehr und mehr Gefallen an der Zeitung fand, inhaltlich, wie auch von der Gestaltung. Es ist nicht der Einheitsbrei an Boulevard-Infotainment der hier geboten wird, sondern ein breites Angebot an sachlicher Information in einem neuen Format.

Keinesfalls ist es eine Zeitung, die man in 20 Minuten liest. Wer sich die Zeit nimmt, wird mit Tiefgang belohnt. Hier findet man nicht die Blaulichtereignisse als ständige Lückenbüsser oder den permanent
voyeuristischen Blick auf die Schönen und die Reichen und deren Skandale. Die Zeitung kann sich inhaltlich vom übrigen Angebot für die Region abheben und das ist gut so.

Auf der Seite 8 der Erstausgabe befasste sich die TagesWoche mit der Situation nach den letzten Wahlergebnissen. Der Titel lautete: «Die Sehnsucht nach der neuen Sachlichkeit». Dies könnte zugleich der Slogan für die inhaltliche Ausrichtung der Zeitung sein.

Die Zeitung kommt auch in der zweiten Ausgabe ohne Sensationshascherei ohne Scharfmacherei und ohne Hetztiraden aus. «Aufklären statt Aufwühlen» ist die vielleicht die bessere Basis für guten Journalismus im Sinne der Meinungsbildung.

Mit spitzer Zunge lässt die Basler Zeitung die Erstausgabe der Tageswoche durch Kurt W. Zimmermann kommentieren, ganz im Sinne der aufwühlenden Berichterstattung. Zwar schreibt auch die NZZ
«Man darf noch frecher werden» und begründet dies sachlich und mit Respekt und betont gleichzeitig die Bereicherung und die Chance für die Region.

Wer nun in die zweite Printausgabe der TagesWoche eintaucht, wird vielleicht ein erstes Mal feststellen: «Das ist es doch, was wir wollten» und erkennen, dass in der medialen Bereicherung der Region ein wichtiger Schritt erfolgt ist.

Freitag, 28. Oktober 2011

TagesWoche: Der neue Spross ist da.


Bildquelle: Das ursprüngliche Bild stammt von Nils Fretwurst, Wikimedia Commons 

Das neue Medium ist eine Frühgeburt (neudeutsch "Betastadium") und hört auf den Namen "TagesWoche". Es kam am 27. Oktober 2011, im Herzen von Basel, an der Gerbergasse zur Welt, betreut von kompetenten Geburtshelferinnen und -helfern, Patinnen und Paten und von vielen neugierig erwartet. Die Fachleute sprechen im übrigen von einer Hybridzeitung.

Basel und die Region sind um ein Nachrichtenmedium reicher. Gestern startete die TagesWoche mit der täglich aktualisierten Online-Ausgabe und der Wochenzeitung im Printformat. Die stolzen Eltern, es sind deren viele, haben nach einem ersten Eindruck ein gesundes Kind zur Welt gebracht, dessen Ausstrahlung das Potenzial hat, auch im Oberbaselbiet empfangen zu werden.

Da lag sie nun, unscheinbar und trotzdem etwas Besonderes und auf Tuchfühlung direkt neben der BaZ aufgestapelt im Kiosk. Eigentlich bin ich vor allem neugierig auf die inneren Werte. Dennoch wird mein Blick zuerst auf das Äussere aufmerksam, weil das Format - so im direkten Vergleich mit der BaZ - so anders und ungewohnt erscheint.

Tatsächlich misst die Zeitung in der Höhe 11 cm und in der Breite 6 cm weniger als die Konkurrentin aus der Hochbergstrasse. Im Vergleich mit einem Exemplar von 20 Minuten wirkt sie dagegen deutlich grösser. Das Format nennt sich «Halbrheinisch» und ist neu für die Schweiz. Das erfahre ich später beim kritischen Blick auf die inneren Werte.

Bild: Erstausgabe der TagesWoche im Printformat

Das Format ist ungewohnt, aber nicht unpraktisch. Ich kann die Zeitung aufschlagen, ohne dass ich dem Sitznachbar meine Ellbogen in die Rippen ramme. Ich kann den gelesenen Teil nach hinten umschlagen und benötige so nur wenig Platz. Dennoch ist auf jeder Seite Platz genug für profunde Berichte und ich muss nicht ständig blättern.

Mein Blick schweift zunächst über die Titelseite, welche in der Erstausgabe nüchtern, aber übersichtlich wirkt.  Weder schrille Schlagzeilen noch aufreisserische Fotos prägen das Blatt. Auf der unteren Hälfte sehe ich die Vorschau auf den Inhalt. Sie macht mich sogleich neugierig.

Schon an dieser Stelle ist Vielfalt zu erkennen und ich stelle beim Durchblättern fest, dass mir hier nicht die Mainstream-News serviert werden, die mir ohnehin schon aus allen Ecken des Web entgegen schlagen, sondern durchwegs Berichte, für die ich mir am Wochenende gerne einmal die Zeit nehme.

Dennoch ist die TagesWoche auch im Web präsent und erschliesst sich der schönen neuen Welt der Notebooks, Subnotebooks, Tablets, Smarphones usw. Zwar habe ich noch kein spezielles Mobile-Portal gefunden, aber mein Smartphone kommt mit www.tageswoche.ch gut zurecht.

Von Hybridzeitung spricht man übrigens deshalb, weil die aktuelle tägliche Berichterstattung online erfolgt und am Freitag jeweils die Printausgabe in Form einer Wochenzeitung folgt. Diese kann man abonnieren.

Nach dem guten Start wünsche ich dem Neugeborenen nun weiterhin viel Erfolg in der hart umkämpften Medienwelt.
TagesWoche, neue Zeitung, neue Hybridzeitung, Region Basel, Online-Zeitung, Neues Printmedium
 Siehe auch: "Neuer Spross im ausgelichteten Blätterwald"

Donnerstag, 14. April 2011

Neuer Spross im ausgelichteten Blätterwald

Die Nordwestschweiz erhält eine neue Zeitung. Dies teilte die Aktion "Rettet Basel", vom Netzwerk "Kunst+Politik" ins Leben gerufen, gestern mit.

Im Februar 2010 wurde die Basler Zeitung an die beiden Privatinvestoren  Dr. Tito Tettamanti und Martin Wagner (Basler Medienanwalt) verkauft. Dies löste in der Region grosses Unbehagen aus. Kritiker gaben zu bedenken, dass dem Blatt eine ähnliche Entwicklung wie die der Weltwoche bevorstehen könnte.


Als am 8. August 2010 bekannt wurde, dass Markus Somm per sofort durch die Aktionäre und den Verwaltungsrat der National Zeitung und Basler Nachrichten AG zum Chefredaktor der Basler Zeitung ernannt wurde, sahen sich die Kritiker in ihren Befürchtungen bestätigt. Endgültig das Fass zum Überlaufen brachte das Mandat an die Beratungsfirma Robinvest (eine von Christoph Blocher beherrschte Firma), um die Rentabilität der Basler Zeitung Medien zu verbessern.

In höchstem Masse beunruhigt war man aber auch in der Redaktion der Basler Zeitung. Sie forderte am 15. November 2010 in einem offenen Brief an den Verleger Martin Wagner die journalistische Unabhängigkeit, die Offenlegung der wahren Besitzverhältnisse und Interessensverhältnisse der Zeitung und die Überprüfung der Zusammenarbeit mit Markus Somm, dem neuen Chefredaktor.

Am 13. November 2010 startete das Netzwerk "Kunst+Politik" die Aktion "Rettet Basel" und konnte under dem Slogan (Zitat): "Ich habe genug von Blocher, Somm und Tettamanti. Die Stadt Basel hat eine Tageszeitung verdient, die unabhängig denkt und kein Hebel für die SVPisierung der Schweizer Medienlandschaft ist. Ich bin bereit, meinen Teil dazu beizutragen" (Zitat Ende)  in nur wenigen Tagen 11'000 Unterschriften sammeln. Bis heute sind es knapp 18'900.

Immer wieder forderte die Aktion "Rettet Basel" ebenfalls, aber vergebens, die Aufklärung der Besitzverhältnisse bei der Basler Zeitung, die politische Unabhängigkeit und einen Neuanfang. Selbst als Moritz Suter die Basler Zeitung kaufte und damit eine "Basler Lösung" des Problems versprach, änderte sich für die Kritiker kaum etwas an der Situation, um die Glaubwürdigkeit zu verbessern.

Derweil wurde die Redaktion der Zeitung weiter ausgehöhlt. Der Stellenabbau im Februar 2011 - laut Unternehmensleitung in Folge der wirtschaftlichen Situation - führte nicht zur zu ausgesprochenen Kündigungen sondern auch zu freiwilligen Abgängen. Im April 2011 verliess zuletzt der stellvertretende Chefredaktor Urs Buess das Unternehmen.

Zu den Unruhen im Unternehmen gesellten sich auch immer wieder Spekulationen um eine Übernahme der Zeitung. Da war die Rede davon, dass ein ausländisches Unternehmen sein Interesse angekündigt haben soll, danach, dass sich die NZZ-Gruppe alle Optionen offen halte und zuletzt vom Zusammengehen mir den AZ-Medien.

Nun taucht der Name Urs Buess in der zu Beginn erwähnten Meldung wieder auf. Er und Remo Leupin, werden die Leitung der rund 30-köpfigen Redaktion des neuen Blattes übernehmen. Weiter ist darin zu lesen: "Die  neue Zeitung wird ganz im Dienste ihrer Leserinnen und Leser stehen, parteipolitisch unabhängig sein und sich für eine offene und tolerante Gesellschaft einsetzen". Beide Journalisten sind in der Region Basel aufgewachsen und wohnhaft.

Die Aktion "Rettet Basel" freut sich in ihrer Mitteilung über diesen Entscheid und schreibt, dass man auf diesen Tag lange gewartet habe und in Basel nun neue Medienvielfalt entstehe. Vielleicht muss man eher von einer Alternative sprechen, als von Vielfalt. Nicht alleine die Dominanz der Basler Zeitung, sondern auch die rasante technische Entwicklung und das veränderte Konsumverhalten im Bereich der Medien haben den Blätterwald stark ausgedünnt.

Eine echte Alternative zur Basler Zeitung als Printmedium für die Region, gab es vor allem für die Bewohner der Stadt und der Agglomeration schon lange nicht mehr. Die Basellandschaftliche Zeitung wird von diesem Teil der Bevölkerung bis heute kaum wahrgenommen. Die Pendlerzeitung 20minuten ist inhaltlich im Regionalteil schlichtweg zu "dünn" um für Vielfalt zu sorgen.

Etwas besser sieht die Situation aus, wenn man weitere Medien einbezieht, wie beispielsweise das Regionaljournal Basel/Baselland, OnlineReports oder Telebasel, die allesamt jedoch kein Printangebot kennen. Wie wichtig die Printausgabe in Zukunft ist, kann man bestenfalls vermuten, aber noch nicht wissen. Insofern ist das Konzept für den neuen "Spross im ausgedünnten Blätterwald" allemal interessant.

Die neue Zeitung basiert auf einem von bachmann medien ag ausgearbeiteten Konzept. Sie wird täglich online und einmal wöchentlich in gedruckter Form erscheinen. Damit berücksichtige man die Entwicklung der Medien und den Wandel des Medienkonsums

  • zu vermehrtem Bezug von Informationen über Online-Plattformen und Mobiles,
  • die starke Zunahme bei der Nutzung sozialer Medien und Netzwerke,
  • aber auch das breite Bedürfnis nach vertiefenden Inhalten in gedruckter Form.

Herausgeberin wird die neu gegründete Neue Medien Basel AG sein. Mitglied des Verwaltungsrats ist Ivo Bachmann, der u. a. von Ende 2003 bis Ende 2006 Chefredaktor der Basler Zeitung und Mitglied der Unternehmensleitung der BZM war. Sein Beratungsunternehmen wird das Projekt bis zur Übergabe der operativen Verantwortung begleiten.

In der Medienmitteilung werden zugleich die Besitzverhältnisse der neuen AG transparent gemacht. Eigentümerin wird die neu gegründete Stiftung für Medienvielfalt in Basel sein. Als erste Stiftungsräte zeichnen
  • Andreas Miescher, Basler Advokat und Notar;
  • Franz-Xaver Leonhardt, Mitglied der Geschäftsleitung des Hotels Krafft in Basel.
Die nachhaltige Finanzierung der neuen Zeitung soll durch die von der Mäzenin Beatrice Oeri errichtete Stiftung Levedo in Basel sichergestellt werden. Die neu gegründete Stiftung für Medienvielfalt in Basel setze sich für ein vielfältiges Medienangebot zugunsten einer offenen und toleranten Gesellschaft ein.