Die Nordwestschweiz erhält eine neue Zeitung. Dies teilte die Aktion "Rettet Basel", vom Netzwerk "Kunst+Politik" ins Leben gerufen, gestern mit.
Im Februar 2010 wurde die Basler Zeitung an die beiden Privatinvestoren Dr. Tito Tettamanti und Martin Wagner (Basler Medienanwalt) verkauft. Dies löste in der Region grosses Unbehagen aus. Kritiker gaben zu bedenken, dass dem Blatt eine ähnliche Entwicklung wie die der Weltwoche bevorstehen könnte.

Als am 8. August 2010 bekannt wurde, dass Markus Somm per sofort durch die Aktionäre und den Verwaltungsrat der National Zeitung und Basler Nachrichten AG zum Chefredaktor der Basler Zeitung ernannt wurde, sahen sich die Kritiker in ihren Befürchtungen bestätigt. Endgültig das Fass zum Überlaufen brachte das Mandat an die Beratungsfirma Robinvest (eine von Christoph Blocher beherrschte Firma), um die Rentabilität der Basler Zeitung Medien zu verbessern.
In höchstem Masse beunruhigt war man aber auch in der Redaktion der Basler Zeitung. Sie forderte am 15. November 2010 in einem offenen Brief an den Verleger Martin Wagner die journalistische Unabhängigkeit, die Offenlegung der wahren Besitzverhältnisse und Interessensverhältnisse der Zeitung und die Überprüfung der Zusammenarbeit mit Markus Somm, dem neuen Chefredaktor.
Am 13. November 2010 startete das Netzwerk "
Kunst+Politik" die Aktion "
Rettet Basel" und konnte under dem Slogan (Zitat): "
Ich habe genug von Blocher, Somm und Tettamanti. Die Stadt Basel hat eine Tageszeitung verdient, die unabhängig denkt und kein Hebel für die SVPisierung der Schweizer Medienlandschaft ist. Ich bin bereit, meinen Teil dazu beizutragen" (Zitat Ende)
in nur wenigen Tagen 11'000 Unterschriften sammeln. Bis heute sind es knapp 18'900.
Immer wieder forderte die Aktion "Rettet Basel" ebenfalls, aber vergebens, die Aufklärung der Besitzverhältnisse bei der Basler Zeitung, die politische Unabhängigkeit und einen Neuanfang. Selbst als Moritz Suter die Basler Zeitung kaufte und damit eine "Basler Lösung" des Problems versprach, änderte sich für die Kritiker kaum etwas an der Situation, um die Glaubwürdigkeit zu verbessern.
Derweil wurde die Redaktion der Zeitung weiter ausgehöhlt. Der Stellenabbau im Februar 2011 - laut Unternehmensleitung in Folge der wirtschaftlichen Situation - führte nicht zur zu ausgesprochenen Kündigungen sondern auch zu freiwilligen Abgängen. Im April 2011 verliess zuletzt der stellvertretende Chefredaktor Urs Buess das Unternehmen.
Zu den Unruhen im Unternehmen gesellten sich auch immer wieder Spekulationen um eine Übernahme der Zeitung. Da war die Rede davon, dass ein ausländisches Unternehmen sein Interesse angekündigt haben soll, danach, dass sich die NZZ-Gruppe alle Optionen offen halte und zuletzt vom Zusammengehen mir den AZ-Medien.
Nun taucht der Name Urs Buess in der zu Beginn erwähnten Meldung wieder auf. Er und Remo Leupin, werden die Leitung der rund 30-köpfigen Redaktion des neuen Blattes übernehmen. Weiter ist darin zu lesen: "
Die neue Zeitung wird ganz im Dienste ihrer Leserinnen und Leser stehen, parteipolitisch unabhängig sein und sich für eine offene und tolerante Gesellschaft einsetzen". Beide Journalisten sind in der Region Basel aufgewachsen und wohnhaft.
Die Aktion "
Rettet Basel" freut sich in ihrer Mitteilung über diesen Entscheid und schreibt, dass man auf diesen Tag lange gewartet habe und in Basel nun neue Medienvielfalt entstehe. Vielleicht muss man eher von einer Alternative sprechen, als von Vielfalt. Nicht alleine die Dominanz der Basler Zeitung, sondern auch die rasante technische Entwicklung und das veränderte Konsumverhalten im Bereich der Medien haben den Blätterwald stark ausgedünnt.
Eine echte Alternative zur Basler Zeitung als Printmedium für die Region, gab es vor allem für die Bewohner der Stadt und der Agglomeration schon lange nicht mehr. Die Basellandschaftliche Zeitung wird von diesem Teil der Bevölkerung bis heute kaum wahrgenommen. Die Pendlerzeitung 20minuten ist inhaltlich im Regionalteil schlichtweg zu "dünn" um für Vielfalt zu sorgen.
Etwas besser sieht die Situation aus, wenn man weitere Medien einbezieht, wie beispielsweise das Regionaljournal Basel/Baselland, OnlineReports oder Telebasel, die allesamt jedoch kein Printangebot kennen. Wie wichtig die Printausgabe in Zukunft ist, kann man bestenfalls vermuten, aber noch nicht wissen. Insofern ist das Konzept für den neuen "Spross im ausgedünnten Blätterwald" allemal interessant.
Die neue Zeitung basiert auf einem von
bachmann medien ag ausgearbeiteten Konzept. Sie wird täglich online und einmal wöchentlich in gedruckter Form erscheinen. Damit berücksichtige man die Entwicklung der Medien und den Wandel des Medienkonsums
- zu vermehrtem Bezug von Informationen über Online-Plattformen und Mobiles,
- die starke Zunahme bei der Nutzung sozialer Medien und Netzwerke,
- aber auch das breite Bedürfnis nach vertiefenden Inhalten in gedruckter Form.
Herausgeberin wird die neu gegründete Neue Medien Basel AG sein. Mitglied des Verwaltungsrats ist Ivo Bachmann, der u. a. von Ende 2003 bis Ende 2006 Chefredaktor der Basler Zeitung und Mitglied der Unternehmensleitung der
BZM war. Sein Beratungsunternehmen wird das Projekt bis zur Übergabe der operativen Verantwortung begleiten.
In der Medienmitteilung werden zugleich die Besitzverhältnisse der neuen AG transparent gemacht. Eigentümerin wird die neu gegründete Stiftung für Medienvielfalt in Basel sein. Als erste Stiftungsräte zeichnen
- Andreas Miescher, Basler Advokat und Notar;
- Franz-Xaver Leonhardt, Mitglied der Geschäftsleitung des Hotels Krafft in Basel.
Die nachhaltige Finanzierung der neuen Zeitung soll durch die von der Mäzenin Beatrice Oeri errichtete Stiftung Levedo in Basel sichergestellt werden. Die neu gegründete Stiftung für Medienvielfalt in Basel setze sich für ein vielfältiges Medienangebot zugunsten einer offenen und toleranten Gesellschaft ein.