Mittwoch, 4. Februar 2009

Die Post bringts: „Personal News“

Ohne grosses Brimborium - oder vielleicht ist es mir entgangen - hat die Schweizerische Post ein Pilotprojekt gestartet: „Personal News“. Ein neues Dienstleistungsangebot wird versuchsweise bis Ende Februar getestet. Neu dabei ist, dass die Kunden aus einer Auswahl nationaler und internationaler Zeitungen, ihr persönliches, frühmorgendlich zugestelltes Nachrichtenblatt zusammenstellen können. Die Teilnahme während der Pilotphase ist kostenlos.

Im Zeitungsmarkt sind zweifelsohne neue Ideen gefragt. Sinkende Abonnementszahlen und steigende Medienkonkurrenz setzen diese Branche seit Jahren enorm unter Druck. Nun hat ausserdem eine der heftigsten Wirtschaftskrisen schon früh zu einem Rückgang der Anzeigen geführt und damit die Einnahmen stark reduziert.

Das neue Angebot der Post schafft einen Mehrwert für die Leser, ohne dass dafür die beteiligten Zeitungen grosse Änderungen in der Produktion vornehmen müssen. Folglich sind für sie vorerst auch keine grösseren finanziellen Investitionen nötig. Das kommt der momentanen Situation der Zeitungsverleger entgegen.

Der Erfolg des Projekts hängt vermutlich sehr davon ab, ob die angesprochene Kundschaft den Mehrwert erkennt und nutzt. „Nichts ist älter, als die Zeitung von gestern.“, kann man in der Beschreibung des Pilotprojekts lesen, ausserdem wie zeitkritisch die Produktion und Distribution von Nachrichten heute ist und dass ‚Personal News’ im Ausland bereits erfolgreich praktiziert wird (Beispiele werden nicht genannt).

Ich verstehe das Interesse der Post, die bei einer erfolgreichen Umsetzung, mit der Zustellung der neuen Zeitung einen wichtigen Auftrag für ihr Kerngeschäft dazugewinnt. Dies trifft jedoch nur dann zu, wenn die Kundschaft das Printmedium (die gedruckte Zeitung) im Briefkasten haben möchte. Das Segment der ePaper-Leser benötigt keine Zustellung. Fraglich ist ausserdem, ob diese nicht ohnehin schon die News nach den eigenen Bedürfnissen aus dem Web beziehen.

Der Leser der gedruckten Zeitung darf vermutlich nicht erwarten, dass er die Zeitung auf den Arbeitsweg mitnehmen kann, es sei denn er verlässt das Haus nicht vor 08:00h und steht ganz am Anfang einer Verteilstrecke der Post. Folglich ist wohl eher diejenige Kundschaft angesprochen, die am Abend die Zeitung in Ruhe liest. Dann aber ist es in unserer schnellen Nachrichtenwelt wohl schon eher wieder die Zeitung von gestern.

Deshalb bin ich neugierig, ob das Projekt mit der Tagespresse realisierbar ist oder vielleicht eine neue Wochenzeitung entsteht. Eines ist jetzt offensichtlich schon klar: Der Preis für die "Personal News" wird im Vergleich zur konventionellen Tageszeitung höher ausfallen. Bald wissen wir mehr.